„Wir müssen was mit Agents machen." — Dein Chef, vermutlich letzte Woche.

Die Übersetzung

AI Agents — was das für dein nächstes Projekt bedeutet

OpenAI redet davon. Microsoft redet davon. Google redet davon. Anthropic erst recht.

Wenn du fünf Leute fragst, was ein AI Agent ist, bekommst du sechs Antworten.

Lass mich das übersetzen.

Was ein AI Agent eigentlich ist:

Bisher funktioniert KI so: Du gibst einen Auftrag, du bekommst ein Ergebnis. Ein Schritt, eine Antwort. Du bist der Pilot, die KI ist das Werkzeug.

Ein Agent funktioniert anders. Du gibst ein Ziel, und der Agent entscheidet selbst, welche Schritte nötig sind. Er kann mehrere Tools nutzen, Zwischenergebnisse prüfen, nachjustieren.

Der Unterschied? Taschenrechner vs. Praktikant. Der Taschenrechner rechnet, was du eintippst. Der Praktikant bekommt einen Auftrag und arbeitet ihn selbständig ab — mit Rückfragen, wenn er nicht weiterkommt.

Warum alle so aufgeregt sind:

Stell dir vor, du sagst: „Bereite das Quartalsreview vor." Und der Agent durchsucht deine E-Mails, zieht Zahlen aus dem ERP, erstellt eine Präsentation im Template, schickt dir den Entwurf.

Das ist die Vision. Die Realität sieht anders aus.

Wo wir wirklich stehen:

Funktioniert heute: Agents für klar definierte, wiederholbare Aufgaben. E-Mail-Eingang klassifizieren, Standardantworten vorschlagen, Daten synchronisieren.

Verfügbar, aber früh: Agents, die mehrere Schritte in M365 eigenständig ausführen. Word, Excel, PowerPoint haben erste Agent-Funktionen. In der Praxis noch eingeschränkt — aber kein Versprechen mehr, sondern Realität.

Noch Jahre entfernt: Autonome Agents für komplexe Unternehmensprozesse. Die Gründe: Datenschutz, Systemkomplexität, fehlende Schnittstellen. Und: Agents machen Fehler. Ein falscher ERP-Eintrag kann teuer werden.

Drei Takeaways für dein nächstes Projekt:

Erstens: Fang nicht mit Agents an. Fang mit Prompts an. Wer die Grundlagen nicht beherrscht, wird mit Agents erst recht scheitern.

Zweitens: Identifiziere Prozesse, die „Agent-ready" sind. Wiederholbar, klare Regeln, geringes Fehlerrisiko.

Drittens: Lass dich nicht von Vendor-Demos blenden. Frag immer: Welche Systeme müssen integriert werden? Wer haftet bei Fehlern? Wie sieht das Berechtigungskonzept aus?

Die Agent-Revolution kommt. Aber sie kommt nicht über Nacht.

Kurz & Konkret

🔗 Fundstück Microsoft hat auf der Ignite 2024 die Roadmap für Copilot Agents vorgestellt — und seitdem ist einiges passiert. SharePoint Agents sind inzwischen allgemein verfügbar, Agents für Word, Excel und PowerPoint folgten auf der Ignite 2025. Der Stand heute: Die Bausteine sind da. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell dein Unternehmen sie sinnvoll einsetzen kann. → Ignite 2024Ignite 2025

🔢 Zahl der Woche Gartner prognostiziert: Bis 2028 haben 33 % der Unternehmensanwendungen „Agentic AI" integriert — verglichen mit unter 1 % heute. Die Richtung ist klar. Das Tempo ist die Frage. —> Top Technology Trends 2026

Übersetzt für dich

„Unser Vorstand will, dass wir was mit Agents machen."

Wenn dir das bekannt vorkommt: was genau wurde gefordert? Und wie gehst du damit um?

Antworte mir. Ich plane eine Ausgabe zum Thema: „Wenn der Vorstand KI will, was du wirklich tun solltest."

Bis nächsten Montag.

Florian

Übersetzt. erscheint jeden Montag. Was KI für deinen Arbeitsalltag konkret bedeutet.

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